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Wenn man sich wundert, soll man sich wundern,
also: Wenn einem etwas komisch vorkommt, soll man das ernst nehmen und nachhaken.

Herr Kahnemann ist mit seinem Buch “Schnelles Denken – langsames Denken" im Gespräch. Unser Gehirn macht beim routinemäßigen Verarbeiten von Wahrnehmungen Denkfehler. Denn wir folgen dann unserer Intuition (= unsere Erfahrungen) oder unserem Bauchgefühl. Welche das sind, können Sie nachlesen: unterhaltsam bei Herrn Kahnemann und konzentriert unter „Critical Thinking“ in Wikipedia (möglichst in Englisch). Wenn wir unser Gehirn auf gründliches Denken schalten würden, würden wir kaum solche Fehler machen. Wir sind aber oft zu faul dazu.

Noch häufiger ist allerdings die Konstellation, dass unser routinemäßig arbeitendes Gehirn erst einmal gar nicht einen Fehler macht, sondern irritiert ist: Die gegenwärtige Wahrnehmung passt nicht so ganz zu unserer Erfahrung. Jetzt sollten wir reagieren, nämlich etwas tun oder unser Gehirn auf "gründlich denken" umschalten. Aber wir sind faul. Wir schieben die Bedenken beiseite oder finden schnell eine Begründung dafür, dass es doch nicht nötig ist, etwas zu tun oder nachzudenken.

Ein Beispiel: Ich hatte mit einem Mandanten ein Gespräch bei ihm vereinbart, er sollte mich dazu am übernächsten Mittwoch vom Bahnhof in seiner Nähe abholen. Am nächsten Montag telefonierten wir noch einmal zu der Sache. Er schloss das Gespräch mit den Worten: "Dann bis Mittwoch!". Als ich das Gespräch beendet hatte, kam mir das irgendwie komisch vor: Welchen Mittwoch hat er gemeint? Sollte ich ihn nicht besser noch einmal anrufen. Aber, sagte ich mir, er hatte doch von „Mittwoch“ gesprochen. – Der Mandant fuhr bereits am nächsten Mittwoch zum Bahnhof und rief mich an, wo ich denn bleiben würde.

Weil wir uns häufig so (falsch) verhalten, gebe ich in meinen Seminaren zum Projektmanagement von Auftragsprojekten den Teilnehmern vor dem Mittagessen die Aufgabe, nach diesem von einem solchen Fall zu berichten, in dem sie irritiert waren, dass aber beiseite geschoben haben. Kaum ein Teilnehmer hatte Schwierigkeiten, sich an einen solchen Fall zu erinnern.

Um dieses Risiko zu verringern, können Sie sich antrainieren, auf Irritationen im routinemäßigen Wahrnehmen einzugehen. Schreiben Sie sich die nächsten Situationen, in denen Sie auf eine Irritation fälschlich nicht eingegangen sind, eine Zeit lang auf und lesen das ab und zu nach.